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Schulaustausch mit der Huzhou Middle School in China

„Ich wäre gerne noch geblieben“

Interkulturelles Lernen im Reich der Mitte: Schülerinnen und Schüler der Realschule Murnau kehren von Ihrem Besuch im Rahmen des Schüleraustausches aus China zurück

Kultur, und das wird besonders in China tagtäglich erfahrbar, beeinflusst das Denken, Fühlen und Handeln der Menschen auf eine ganz spezifische Art und Weise. Häufig steht diese im krassen Gegensatz zu unseren Werten und Traditionen hier im Westen. Das Verständnis für die Bedeutung und den Sinn fremdkulturellen Verhaltens ist der Beginn interkulturellen Lernens. Doch wie schafft man es, dieses Verständnis aufzubauen? Am besten und am nachhaltigsten mit dem direkten, persönlichen Kontakt: Grenzen überwinden, Vorurteile abbauen, Fremdes aus einer anderen Perspektive betrachten und eigenes Handeln hinterfragen, Ängste ablegen und fremden Menschen und Kulturen gegenüber offen und wertschätzend gegenübertreten. All dies sind wichtige Schritte auf dem Weg interkulturellen Lernens.
Der Aspekt des interkulturellen Lernens steht neben der Sprache (die Kommunikation der deutschen und chinesischen Austauschschüler untereinander findet auf Englisch statt) auch im Mittelpunkt des Schüleraustausches zwischen der Realschule Murnau und der Huzhou Middle School No. 4, der im November 2016 mit dem Besuch der deutschen Schüler in China seinen Anfang genommen hat. 17 Schülerinnen und Schüler der RS Murnau haben sich mit drei Begleitern (Herr und Frau Richter sowie Herr Mittelstraß) auf den Weg ins Reich der Mitte gemacht. In ein Land, das nicht nur sehr weit entfernt liegt, sondern zunächst auch sehr fremd wirkt. Ein Land aber auch, das für die globale Entwicklung eine tragende Rolle spielt und gerade für deutsche Unternehmen als einer der größten Märkte der Zukunft gilt.
Nach dem etwa zwölfstündigen Flug und einer direkt darauffolgenden zweistündigen Busfahrt nach Huzhou, begrüßten zunächst die chinesischen Schulleiter und Gastfamilien die Schülergruppe und ihre Begleiter. Anschließend ging es übers Wochenende direkt in die Gastfamilien und die Schüler konnten dementsprechend sofort in das chinesische Familienleben eintauchen. Viele Gastfamilien hatten sich bereits für die ersten zwei Tage etwas Besonderes für ihre deutschen Gäste einfallen lassen und vor allem Ausflüge und gemeinsame Aktivitäten geplant. Was sich dann aber ab Montag, dem ersten Schultag an der Schule in Huzhou abspielte übertraf sämtliche Erwartungen. Die Huzhou Middle School No. 4 hatte ein unglaublich vielseitiges Programm für ihre deutschen Gäste auf die Beine gestellt. Auf dem Stundenplan standen zum Beispiel zahlreiche Englisch-, Kunst- und Musikstunden zusammen mit den chinesischen Schülern, dazu Tai Chi- und Kochkurse ebenso wie diverse Sportwettbewerbe. Dieser Plan wurde zwischendurch immer wieder aufgelockert durch kurze Ausflüge in die nahe Umgebung, ist doch ein Schultag von 07:30 bis 17:00 Uhr gerade für deutsche Schüler kaum ohne Verschnaufpause durchzuhalten.
So verging die erste Woche an der Schule rasend schnell und vielen fiel der Abschied nach dieser doch sehr intensiven Zeit dann auch schwer. „Ich wäre gerne noch eine Woche an der Schule geblieben. Ich fand es echt super, auch in der Gastfamilie“, fasst Johannes Wiesendanger aus der Klasse 9a die Tage zusammen. Der zweite Teil des Austauschprogramms bestand aus einer einwöchigen Studienreise. Die Route führte die Schülergruppe zunächst von Huzhou nach Hangzhou, die Hauptstadt der chinesischen Provinz Zhejiang und Zentrum der Metropolregion Hangzhou mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten wie dem Lyngyin Buddha Temple, der Pagode der Sechs Harmonien, zahlreichen Teeplantagen sowie dem West Lake, einem der wichtigsten Touristenmagnete Chinas. Weiter ging es an den folgenden Tagen nach Xi Tang, einer bereits in der Ming-Dynastie (14. - 17. Jhdt.) entstandenen Wasserstadt, nach Suzhou, bekannt für seine Seidenproduktion und die zahlreichen Gärten und Tempel sowie schließlich in die Megastadt Shanghai, mit 23 Millionen Einwohnern eine der größten Städte der Welt und das Zentrum der chinesischen Wirtschaft. Besonders Shanghai war natürlich sehr beeindruckend, ist es doch aufgrund seiner Vielfältigkeit und Kontraste eine der aufregendsten Metropolen Asiens.
Was nehmen unsere Schüler mit aus diesem Austausch? Es ist nun die Zeit, das Gelernte setzen lassen, in Gedanken noch einmal durchzuspielen und zu versuchen, auch nachträglich, das Fremde, Neue, Unbekannte zu verarbeiten. Wer gelernt hat, mit Verhaltensunterscheiden umzugehen, der weiß, wie sich in Zukunft kulturelle Missverständnisse vermeiden lassen. Wer Fremdartiges nicht mehr als Bedrohung und Belastung empfindet und ihm deshalb nicht mit Ablehnung und Abwehr begegnet, ist auf dem besten Weg zu interkultureller Kompetenz. Wer neugierig und wertschätzend bleibt, der geht mit mehr Sicherheit, Mut und freudigeren Erwartungen in die nächsten interkulturellen Begegnungen, wie sie auf Reisen vorkommen. Bevor wir aber wieder nach China reisen, steht nun erstmal der Gegenbesuch unserer chinesischen Gäste an, auf die wir uns sehr freuen. Nǐ Hǎo - herzlich willkommen!

Thomas Mittelstraß

Impressionen